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Die Geschichte des RMG

Wie die Gedenktafel im Eingangsbereich der Schule bezeugt, kann das heutige Rhein-Maas-Gymnasium auf eine lange und wechselvolle Geschichte zurückblicken. Gegründet wurde die Schule 1835, zur Zeit der Industrialisierung, als Höhere Bürgerschule für Knaben mit dem Anspruch, eine Schule für praktische Berufe der Wirtschaft, der Technik und des Handels zu sein, darüber hinaus jedoch auch eine allgemeine Bildung zu vermitteln. Hierbei wurde besonderer Wert auf Fremdsprachen gelegt: So wurden z.B. in der Prima Englisch und Französisch als Unterrichtssprache benutzt - fast ein Vorläufer des heutigen bilingualen Systems. Als Schulgebäude diente die ehemalige Dechanei des Aachener Krönungsstiftes am Klosterplatz. Im Gründungsjahr besuchten 62 Schüler die Schule; 1859 waren es bereits 287. In den Schülerlisten der ersten Jahre finden sich Namen wie Beißel, Hansemann, Hasenclever, Monheim und Poensgen.

Ein Ziel der Schule war es, die Gleichberechtigung mit dem humanistischen Gymnasium zu erreichen; im Zusammenhang mit der Umstrukturierung des preußischen Schulwesens um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde aus der Höheren Bürgerschule 1859 und 1861 zunächst eine Realschule 1. bzw. 2. Ordnung, schließlich im Jahre 1882 ein Realgymnasium. Ein Ministerialerlaß von 1901 sprach den Absolventen des Realgymnasiums die Berechtigung zum Studium an den Hochschulen zu; damit war die Gleichberechtigung mit dem humanistischen Gymnasium erreicht, wenn auch mit eigener Schwerpunktsetzung.

Im Jahr 1891 wurde das neue Schulgebäude bezogen: Ein Neubau an der Ecke Jesuitenstraße/ Prinzenhofstraße, der heute das Gymnasium St. Leonhard beherbergt. 1910 besuchten 526 Schüler diese Schule. Zu Beginn des 1. Weltkrieges 1914 wurde im Gebäude des Realgymnasiums die Zentralstelle des Deutschen Roten Kreuzes eingerichtet; für die Abiturienten dieses Jahrgangs bedeutete das eine verkürzte, nur mündliche Abiturprüfung; inner- und außerhalb des Unterrichts wurde das Schulleben von den Kriegsereignissen mitbestimmt (Klassenauflösungen und -zusammenlegungen, Erntehilfe-Einsätze etc.).

Die politischen Ereignisse bei Kriegsende machten sich auch in der Schule bemerkbar und führten z.B. zu Versuchen, Schülerräte zu bilden; im März 1920 gewählte Elternräte, politisch ohne Bedeutung, sollten die Beziehungen zwischen Elternhaus und Schule eher im positiven Sinne beeinflussen. Aus der wirtschaftlichen Notlage des Inflationsjahres 1923 heraus entstand auf die Initiative des Direktors hin die Vereinigung der Freunde des Realgymnasiums in Aachen, die durch Spenden und Mitgliedsbeiträge notwendige Unterrichtsmittel anschaffen und bedürftige Schüler unterstützen sollte. Sie wurde 1934 als Verein der Freunde des Aachener Realgymnasiums e.V. in das Vereinsregister eingetragen und übergab der Schule zur 100-Jahr-Feier im Oktober 1935 das Landheim in Urft, das bis 2009 zur Schule gehörte.  Die Aufgaben des Vereins der Freunde wurden 2010 an die Nachfolgeinstitution übergeben. Der neue Förderverein des Rhein-Maas-Gymnasiums  unterstützt heute die  verschiedene Aktivitäten der Schüler,  gibt Zuschüsse zu Klassenfahrten und zur Anschaffung z.B. von Unterrichtsmaterialien und Büchern für die Schülerbibliothek.

Die nationalsozialistische Herrschaft hat auch das Schulleben des Realgymnasiums nachhaltig beeinflußt. Bereits im September 1933 wurde der erst im Januar 1932 eingesetzte Schulleiter aus seinem Amt entlassen - ein Opfer des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, das Beamte, die nicht die Gewähr dafür bieten, dass sie jederzeit rückhaltlos für den nationalen Staat eintreten, mit Entlassung aus dem Amt bedrohte. Nachdem 1936 durch eine gesetzliche Umstrukturierung die weiterführenden Schulen auf drei Formen beschränkt wurden, wurde aus dem Realgymnasium 1937 eine Oberschule für Jungen, die auf Wunsch des Oberbürgermeisters Quirin Jansen den Namen General-Litzmann-Schule erhielt, nach einem sich schon früh und offen zum Nationalsozialismus bekennenden General der Infanterie. Ein früherer Antrag des neuen Schulleiters Dr. Peter Kill (1935) auf Verleihung des Namens Adolf-Hitler-Gymnasium war von der Stadt nicht weitergeleitet, der Namensvorschlag Barbarossa-Schule zurückgezogen worden. Aus den Berichten über die Jahre 1939 bis 1945 geht hervor, dass der Unterricht immer stärker unter den Folgen des Krieges zu leiden hatte, z.B. durch Einberufung der Lehrer, vorzeitige Abiturprüfungen und Einziehung der Schüler als Luftwaffenhelfer, Unterrichtsausfall wegen Kohlenmangels oder Bombenschäden. Bei dem Luftangriff auf Aachen-Burtscheid am 11.4.1944 wurde das Schulgebäude zerstört; der Unterricht wurde zunächst in der Staatsbauschule am Blücherplatz fortgesetzt, bevor die Schule, als letzte Schule in Aachen, nach Benetzko im Sudetenland, später nach Karlsbad evakuiert wurde, von wo aus Schüler und Lehrer im Mai 1945 in kleinen Gruppen, völlig ungeordnet, wieder nach Aachen zurückkehrten.

Nach Kriegsende wurde die Schule nicht wieder errichtet. In den Jahren 1945 bis 1958 waren Schüler und Lehrer mehrheitlich am Couven-Gymnasium, damals in der Vinzenzstraße (heute Kármánstraße) gelegen, untergebracht. Bereits frühzeitig gab es, vor allem von Seiten des Vereins der Freunde, Bemühungen, das alte Realgymnasium wiederzuerrichten, die allerdings erst Ostern 1958 von Erfolg gekrönt wurden: Mit 44 Schülern wurde am 17. April 1958 das Städtische Neusprachliche Gymnasium für Jungen im Gebäude der Katholischen Volksschule Gerlachstraße eröffnet. Die Diskussion um den Schulnamen zog sich über ein Jahr hin, bis am 30. April 1959 per Ratsbeschluß die Entscheidung zugunsten des Vorschlags des Oberbürgermeisters Hermann Heusch für den Namen Rhein-Maas-Gymnasium fiel. Dieser Name zeigt einerseits die politische Haltung zum europäischen Gedanken in der Nachkriegszeit, bezieht aber auch die Aachener Tradition ein, die seit Jahrhunderten die Geschichte Aachens im Land ohne Grenzen zwischen Rhein und Maas prägt und zugleich durch die Nähe zur französisch bestimmten Kultur und Wirtschaft beeinflußt wird. Durch den Untertitel Ehemaliges Städtisches Realgymnasium, gegründet 1835 wurde dem Rhein-Maas-Gymnasium ausdrücklich der Rechtscharakter als Nachfolgeschule des ehemaligen Realgymnasiums bestätigt.

Im April 1962 erfolgte der Umzug in das neuerrichtete Gebäude an der Rhein-Maas-Straße, das seitdem noch mehrere Erweiterungen erfuhr. Im Schuljahr 1970/71 wurde der bilingual deutsch-französische Zug eingerichtet, mit dem das Rhein-Maas-Gymnasium an seine frankophon geprägte Vergangenheit anknüpft. Als erste Schule in Aachen führte das Rhein-Maas-Gymnasium am 1. 8.1972 die Oberstufenreform für die 11. Klasse ein. Seitdem gibt es am Rhein-Maas Gymnasium auch das Fach Niederländisch in der Oberstufe. Zum Schuljahr 1973/74 schließlich wurde auch am RMG die Koedukation, beginnend mit den Klassen 5, eingeführt.

Die Schulleiter des Rhein-Maas-Gymnasiums bzw. ehem. Realgymnasiums
1835 - 1855 Dr. Johann Joseph Kribben
1855 - 1883 Professor Hilgers
1883 - 1913 Dr. Johann Joseph Neuss
1914 - 1918 Dr. Wilhelm Schellberg
1918 - 1919 Professor Dr. Meurer (kommissarisch)
1920 - 1931 Dr. Leonhard Buchkremer
1931 - 1932 Dr. Bresler (kommissarisch)
1932 - 1933 Dr. Wilhelm Bohn
1933 - 1934 Prof. Ludwig Vliegen (in Vertretung)
1934 - 1944 Dr. Peter Kill
1940 - 1944 versch. Vertretungen
1958 - 1960 Bruno Geisler
1960 - 1970 Josef Hüpgens
1970 - 1982 Dr. Theodor Blasius
1983 - 1993 Horst Weynand
1993 - 1994 Berthold Winterlich (kommissarisch)
1994 - 2008 Dr. Ingrid Edeler
2008 -        Jochen Geradts

Die Darstellung stützt sich auf ausführliche Kapitel von Dr. Karl-Josef Schipperges, Helmut Doerenkamp, Kurt Michels und Josef Schmitz in der Festschrift zum 150-jährigen Bestehen des Rhein-Maas-Gymnasiums von 1985.

Birgit Imbusch-Jung

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